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Februar 28, 2011 / It's Kaddy

Heute schon einen Pudel gedisst?

Heute wurde ich mal wieder unfreiwillige Zuhörerin eines pikanten Telefonates in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zur Freude des Bahnabteils war der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung auf Lautsprecher uns allen zugeschaltet. An unserem Ende saßen zwei überkandidelte, junge Mädchen mit einem äußerst lauten Sprachorgan und schlechter Aussprache.

Die Mädels begrüßten ihren Anrufer mit einem aufgewecktem „Eh was willsu altah?“ „Ja man, was willsu eh?“.

Der Typ nahm Stellung „Eh nix ehh.. was willsu denn eh? Ich geh ka**en altah in deine Handtasche“

Da hätte ich echt aussteigen sollen!! Die nächsten Stationen musste ich zwangsweise mit anhören wie Gilliana Obszönitäten mit Cems Kopf vollzogen und Zelicia einen hässlichen Pudel krass gedisst hat.

Ich habe sehr wohl die Kreativität ihrer Sprachwahl beachtet und ihren Mut zur lauten Artikulation bemerkt. Das war aber auch echt schon alles. Die beiden haben mich zum Nachdenken gebracht.

Können Jugendliche eigentlich gar nicht mehr normal-deutsch miteinander sprechen? Ist das jetzt unkultiviert? Sind wir denen etwa so peinlich, wie die uns? Selbst kleine weiße Jungs sprechen, als hätten sie 3 Muttersprachen gleichzeitig gelernt.

Und wo sind die Themen geblieben? Es gibt scheinbar gar nichts mehr, wofür viele junge Leute sich gemeinsam begeistern können. Jedes Gespräch beginnt mit “ bin in der Bahn“ und endet mit „ich ruf dich gleich nochmal an“. Aber dazwischen wird nicht gesprochen. Man telefoniert nur noch, um nicht Nichts zu tun oder um nicht zu merken, dass man Nichts tut. Das sind wohl die nervigsten Ausläufer der vielen Handy-Flatrates.

Es scheint für viele der normale Vertreib des Alltages zu sein. Was für uns Inlineskating und Klönschnack war, ist heute Bahn fahren und gegenseitiges Beschimpfen am Telefon. Während uns die Eltern ermahnt haben, dass lange Telefonate teuer sind, fragt sich heute keiner mehr, ob er sich sein überflüssiges Gelaber und die Flatrate nicht sparen könnte.

Ich kann es nicht so recht begreifen, aber ich will darüber auch nicht traurig sein (das würde ja kein Ende finden). Viel mehr freue ich mich darüber, dass ich ein paar Jahre früher geboren bin, Deutsch sprechen kann und die Herrschaft über das Telefon immer einen hitzigen Streit mit der Schwester wert war.

 

PS. Ich brauchte nicht mal aufzublicken, um zu wissen, in welche Schublade ich die Mädels stecken kann. Einen kleinen Klischee-Bestätigungsblick habe ich mir allerdings gegönnt.

 

  1. Kathrin / Mrz 1 2011 13:35

    Wie wahr, wie wahr – leider! Ich finde es auch gräßlich, dass man, wo man geht und steht, von inhaltlosem, nur noch halb als deutsch zu erkennenden Gelaber belästigt wird. Vor allem in der Bahn nach der Arbeit kostet mich das oft den letzten Nerv, auch wenn es gewisse amüsante Züge in sich trägt. Leider überwiegt die Gernervtheit beim zehnten Mithörendürfen…

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